あらすじ
London, Sommer 1852. Ein junger preußischer Journalist – noch kein Romancier, noch kein Klassiker, erst ein scharfer Beobachter auf der Suche nach sich selbst – taucht ein in die größte Stadt der Welt. Was er vorfindet, überwältigt ihn und befremdet ihn zugleich. Er beschreibt das Gewimmel auf dem Fluss und den Straßen, kühne Brücken und monotone Wohnviertel, die noch unfertigen Parlamentshäuser, den Tower, Westminster Abbey und die idyllische Umgebung Londons. Er besucht Kunstausstellungen und Kneipen, beobachtet Straßenmaler und Wahlkämpfer, begegnet deutschen Flüchtlingen und jenem sonderbaren Typus des „verengländerten Deutschen". Er zählt Schornsteine und Dampfboote, zitiert Zeitungsartikel und Volksballaden, springt vom statistischen Bericht zur novellistischen Skizze und zurück – rastlos, neugierig, nie ganz zufrieden. Denn Fontane ist kein begeisterter Tourist. Er ist ein kritischer Geist, der staunen und zweifeln kann im selben Atemzug. Die überschwängliche Fülle, die unerschöpfliche Masse – das ist die eigentliche Wesenheit, der Charakter Londons, schreibt er – und man spürt, wie sehr ihn diese Masse fasziniert und erdrückt, anzieht und abstößt. Er bewundert die englische Tatkraft und mokiert sich über englischen Dünkel. Er liebt die Themse und misstraut dem Reichtum, der sich an ihren Ufern aufgehäuft hat. Statt praktischer Informationen bot Fontane ein Neben- und Ineinander von statistischer Reportage, impressionistischer Skizze, novellistisch ausgeschmücktem Reisebericht, journalistischer Rezension und historisch-biographischen Exkursionen – ein Buch, das sich keinem Genre fügt und gerade deshalb so lebendig geblieben ist. Es ist Fontanes allererster Prosaband, 1854 erschienen, und man liest ihn wie ein Frühwerk lesen sollte: mit dem Wissen, was noch kommt, und mit der Freude, den großen Erzähler noch vor seiner eigentlichen Größe zu erleben.











